Der DVGW

Das Kompetenznetzwerk im Gas- und Wasserfach

Der DVGW fördert das Gas- und Wasserfach in allen technisch-wissenschaftlichen Belangen. In seiner Arbeit konzentriert sich der Verein insbesondere auf die Themen Sicherheit, Hygiene, Umwelt- und Verbraucherschutz. Mit der Entwicklung seiner technischen Regeln ermöglicht der DVGW die technische Selbstverwaltung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Hierdurch gewährleistet er eine sichere Gas- und Wasserversorgung nach international höchsten Standards. Der im Jahr 1859 gegründete Verein hat rund 14.000 Mitglieder. Hierbei agiert der DVGW wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral

www.dvgw.de

Bitte auf den Obermenüpunkt klicken!
Gas / Energie 30.10.2026

Methanemissionen im Energiesektor und ihre Bedeutung für die Klimaziele

© AdobeStock/Enigma

Um die Methanemissionen des Energiesektors einzudämmen, hat die EU im Jahr 2024 die Methanverordnung erlassen. Damit stellt sie Unternehmen im Energiesektor weiterhin vor Herausforderungen. Was die Verordnung vorschreibt und wie Unternehmen konkret reagieren können, erfahren Sie hier.

Welche Wirkung hat Methan auf das Klima?

Rund 35 Prozent der Methanemissionen weltweit stammen aus dem Energiesektor. Methan verbleibt etwa 12,4 Jahre in der Atmosphäre, viel kürzer als CO2. Allerdings hat es eine deutlich stärkere Erwärmungswirkung – 82,5-mal stärker in 20 Jahren, 29,8-mal stärker in 100 Jahren.

Beide Faktoren bedeuten, dass die Reduktion der Methanemissionen ein wichtiger Hebel für die Erreichung der Klimaziele ist, rechnet die Climate&Clean Air Coalition vor: „Um die Erwärmung der Atmosphäre auf 1.5 °C zu begrenzen, sind größtmögliche Reduzierungen der Methanemissionen unerlässlich.“

Info:

Im Energiesektor ist Methan in Erdgas, Biogas, Grubengas und im Begleitgas bei der Erdölförderung enthalten.

Was umfasst die Methanverordnung?

Wer in Deutschland fossile Energieinfrastrukturen betreibt, muss laut EU-Methanverordnung:

  • Methanemissionen regelmäßig erfassen und berichten (Art. 12)
  • Methanemissionen vermeiden (Art. 13)
  • Durch Gasaustritte verursachte Methanemissionen schnell aufspüren und reparieren (Art. 14)
  • Abfackeln und Ausblasen von Gasen in Betrieb und Wartung verringern (Art. 15ff.)

Das gilt für die Emissionen im eigenen Unternehmen und im eigenen Verteilernetz, was sich mit guter Vorbereitung meist gut durchführen lässt. An Bedeutung gewinnen die sogenannten Vorkettenemissionen: Sie entstehen außerhalb der EU bis zur Bereitstellung der fossilen Energie. Dieser Punkt ist zentral, da Europa 80 Prozent der benötigten fossilen Energieträger importiert.

Warum sind die Vorkettenemissionen wichtig?

Für die Ermittlung von Vorkettenemissionen werden Förderung, Transport, Verarbeitung und Bereitstellung eines Energieträgers mitbetrachtet – unter anderem wird bei der Erdölförderung mitgefördertes Methangas abgefackelt und zu CO2 verbrannt, um die Klimawirkung zu vermindern. Im schlimmsten Fall wird das schädliche Gas jedoch direkt ohne Verbrennung direkt abgelassen.

Während Netzbetreiber die Emissionen vor Ort selbst messen können, brauchen Sie zur Berechnung der Vorkettenemissionen die passende Formel. Es gibt dafür drei Methoden:

  • ausgabenspezifisch,
  • aktivitätenbasiert oder
  • lieferantenspezifisch.

Welche sich in Ihrem Fall eignet, hängt vor allem von der Datenlage ab. Es sind auch Kombinationen möglich.

Wie sieht die Rechtslage in Deutschland aus?

Die EU-Methanverordnung ist seit dem 5. August 2024 in Kraft. Sanktionsregelungen hat aber bislang kaum ein Mitgliedstaat eingeführt. In einer Pressemitteilung vom 21.7.2026 erklärt die EU-Kommission: „Die Kommission empfiehlt, Sanktionen bei Nichteinhaltung für drei Jahre (2027 bis 2029) auszusetzen, um Versorgungsunterbrechungen zu vermeiden. Gleichzeitig bleiben alle Verpflichtungen bestehen und müssen weiterhin eingehalten werden.“

Diese Empfehlung führt zu Unsicherheit bei der Umsetzung, weil Investitionen getätigt werden müssen und bereits zusätzliche kosten entstehen. In den Unternehmen kann diese Unsicherheit zu einer Verschleppung von Entscheidungen führen: Während in der Bundesregierung noch offen um die Methanverordnung gestritten wird, brauchen Unternehmen vor allem Sicherheit und Regeln: Wie sollen sie handeln und was sind bis wann ihre Pflichten?

Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, findet deutliche Worte für das Zögern der Regierung und der Länder: „Diese Verweigerungshaltung ist inakzeptabel und schadet nicht nur dem Klima, sondern auch der Glaubwürdigkeit Deutschlands als selbsternanntem ‚Methane Champion‘.“ 

Was ist hinsichtlich der EU-Methanverordnung wichtig für Unternehmen?

Unabhängig vom weiteren nationalen Gesetzgebungsverfahren gelten die Pflichten der EU-Methanverordnung bereits jetzt unmittelbar für betroffene Unternehmen. Um sowohl die rechtliche Konformität sicherzustellen als auch einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten, sollten die neuen Mess- und Berichtspflichten zügig umgesetzt werden.

In Unternehmen sollten die neuen Vorgaben jedoch nicht als isolierte Sonderaufgaben verstanden, sondern ins bestehende Regelwerk eingebunden werden, empfiehlt Dr. Max Pfeiffer von AssmannPfeiffer Rechtsanwälte:

„Es empfiehlt sich, die Pflichten nach der Methanverordnung in die bereits existierende Compliance-Struktur des Unternehmens zu integrieren. Man sollte keine Parallelstrukturen aufbauen.“

Dass die praktischen Messungen auch bei guter theoretischer Vorbereitung nicht immer unkompliziert ablaufen, weiß Jenny Sammüller von der DBI Gas- und Umwelttechnik: 

„Faktoren wie Zugänglichkeit, Anlagengeometrie oder Lüftungssituationen können einen erheblichen Einfluss auf die Messbarkeit und die Qualität der Ergebnisse haben.“

Umso wichtiger ist es, dass Sie:

  • sich einen Überblick über die örtlichen Gegebenheiten verschaffen
  • einen Plan für regelmäßige Messungen erstellen
  • die passende Formel für die Vorkettenemissionen finden
  • die Messung und Dokumentation der Emissionen im Arbeitsalltag verankern

Dafür ist es wichtig, dass Sie Ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter schulen: Sie müssen die Wichtigkeit der neuen Aufgaben ebenso verstehen wie ihre praktische Umsetzung.

Info:

Der DVWG hat mit der DVWG Metra eine Plattform geschaffen, die Sie dabei unterstützt, Ihren Berichts- und Dokumentationspflichten gemäß Artikel 14 und 15ff. der EU-Methanverordnung nachzukommen.

Fazit: Gut organisiert für die Klimaziele

Unabhängig von noch ausstehenden nationalen Feinjustierungen sollten Sie Ihr Unternehmen baldmöglichst rechtssicher für die regelmäßige Messung und Dokumentation von Methanemissionen aufstellen. Dass der Energiesektor lieber heute als morgen alle Potenziale gegen eine weitere Erderwärmung ausschöpfen sollte, ist gerade spürbar.

Sie finden verschiedene Hilfestellungen bei der Implementierung der neuen Aufgaben in Ihren Unternehmensalltag. Sie können die Plattform DVWG Metra nutzen, um eine Orientierungshilfe zu bekommen. Besuchen Sie auch gerne unsere Online-Veranstaltung Technikforum Methanemissionen – KOMPAKT am 10. November 2026!

Newsletter

Sie wollen kein Event mehr verpassen? Bleiben Sie mit dem DVGW Kongress Newsletter immer auf dem neusten Stand. Erhalten Sie aktuelle Informationen aus der Energie- und Wasserbranche und zu unseren Veranstaltungen alle sechs Wochen direkt in Ihr Postfach.
Hier Anmelden