Der DVGW fördert das Gas- und Wasserfach in allen technisch-wissenschaftlichen Belangen. In seiner Arbeit konzentriert sich der Verein insbesondere auf die Themen Sicherheit, Hygiene, Umwelt- und Verbraucherschutz. Mit der Entwicklung seiner technischen Regeln ermöglicht der DVGW die technische Selbstverwaltung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Hierdurch gewährleistet er eine sichere Gas- und Wasserversorgung nach international höchsten Standards. Der im Jahr 1859 gegründete Verein hat rund 14.000 Mitglieder. Hierbei agiert der DVGW wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral
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Referenteninterview mit Emanuel Henrich, Head of Foundation Affairs, H2Global-Stiftung
Datum der Veröffentlichung: 22.09.2026
Zwischen ambitionierten Zielen und der praktischen Umsetzung liegen beim Wasserstoffhochlauf noch einige Hürden. Welche Faktoren über den Erfolg internationaler Wasserstoffmärkte entscheiden und wie Investitionen trotz bestehender Unsicherheiten ermöglicht werden können, erklärt Emanuel Henrich, Head of Foundation Affairs der H2Global-Stiftung, im Gespräch.
In seinem Vortrag „Internationale H₂-Märkte wettbewerblich gestalten, Skalierung ermöglichen“ bei unserer Online-Veranstaltung “Wasserstoff 2026: Realitätscheck für Entscheider:innen” am 07. Oktober 2026 gibt Herr Henrich weitere Einblicke in die Voraussetzungen für einen erfolgreichen Markthochlauf.
DVGW Kongress:
Herr Henrich, hohe Kosten, unsichere Nachfrage, regulatorische Vorgaben und fehlende Infrastruktur bremsen den Wasserstoffhochlauf. Welche dieser Barrieren ist derzeit am kritischsten und warum?
Emanuel Henrich:
Rechtssicherheit und eine tragfähige kommerzielle Grundlage müssen zusammenkommen, damit investiert wird.
Übergeordnet braucht ein nachhaltiger Wasserstoffhochlauf eine verlässliche, rechtssicher anwendbare EU-Regulierung. Unklare Auslegung und Unsicherheit über künftige Änderungen blockieren Investitionen.
Darunter bleibt die zentrale wirtschaftliche Hürde die Lücke zwischen den Kosten einer Wasserstoffversorgung und der Zahlungsbereitschaft der Abnehmer. Produzenten brauchen langfristig gesicherte Erlöse. Viele Abnehmer können sich jedoch nicht zu den aktuellen Preisen langfristig verpflichten.
An der wirtschaftlichen Lücke setzt H2Global an: Ein staatlich abgesicherter Zwischenhändler wie die Hintco schließt über wettbewerbliche Auktionen langfristige Abnahmeverträge mit Produzenten und verkauft die Produkte über kurzfristigere Auktionen weiter. Öffentliche Mittel decken die Preisdifferenz. Produzenten erhalten dadurch Erlössicherheit, während erste Abnehmer zu Preisen versorgt werden können, die ihre Zahlungsbereitschaft widerspiegeln. Gleichzeitig werden im Rahmen realer Vertragsausgestaltungen Schwächen der Regulierung offengelegt.
DVGW Kongress:
Welche Faktoren entlang der gesamten Lieferkette entscheiden darüber, ob international erzeugter Wasserstoff beziehungsweise seine Derivate für europäische Abnehmer wettbewerbsfähig werden?
Emanuel Henrich:
Wettbewerbsfähigkeit entsteht durch sinkende Lieferkosten infolge von Skalierung, technischem Fortschritt und effizienten Lieferketten kombiniert mit einem verlässlichen Absatzmarkt.
Das Zusammenspiel dieser Faktoren ist im internationalen Kontext natürlich komplex. Gerade zu Beginn des Markthochlaufs werden Produktion, Infrastruktur und Nachfrage noch nicht effizient aufeinander abgestimmt sein. Investitionen müssen dennoch ermöglicht werden. Deshalb brauchen wir die verstärkte Anwendung der Mechanismen und Absicherungen, die diese Unsicherheiten im Hochlauf auffangen.
DVGW Kongress:
Der Aufbau internationaler Wasserstoffmärkte erfordert das Zusammenspiel von Politik, Produzenten und Abnehmern. Wer muss jetzt welchen Beitrag leisten, damit aus angekündigten Projekten belastbare Lieferbeziehungen entstehen?
Emanuel Henrich:
Entscheidend sind verbindliche Verträge mit einer tragfähigen Risikoverteilung.
Dafür muss die Politik praktikable, langfristig verlässliche Rahmenbedingungen schaffen. Beispielsweise brauchen Unternehmen bei den RFNBO-Regeln eine einheitliche Auslegung und umsetzbare Nachweispflichten entlang internationaler Lieferketten. Bei regulatorischen Anpassungen müssen bereits getätigte Investitionen effektiv geschützt werden. Hinzu kommt verbindliche staatliche Unterstützung zur Überbrückung der anfänglichen Preislücke.
Darauf aufbauend können Produzenten belastbare Planungen zu Kosten, Zeiten und Lieferketten vorlegen, Abnehmer verbindliche Beschaffungsentscheidungen zu Mengen, Zeiträumen und Preisen treffen und Infrastrukturbetreiber ihren Ausbau abstimmen
DVGW Kongress:
Viele Wasserstoffprojekte haben sich verzögert oder wurden neu bewertet. Welche zentrale Lehre sollte die Branche Ihrer Meinung nach daraus für den weiteren Aufbau internationaler Wasserstoffmärkte ziehen?
Emanuel Henrich:
Die zentrale Lehre ist: Wir brauchen Investitionssicherheit durch verlässliche Regulierung und gezielte staatliche Unterstützung für die ersten Projekte.
Fortschritt kann man nur an verbindlichen Verträgen und tatsächlichen Lieferungen messen. Jede Transaktion liefert wichtige Preissignale, entwickelt Vertragsstandards weiter und zeigt praktische Hindernisse auf. H2Global leistet einen Beitrag zur Absicherung dieser ersten erforderlichen Investitionen.
DVGW Kongress:
Herzlichen Dank, Herr Henrich, für Ihre Einschätzungen und Impulse. Wir freuen uns auf Ihren Vortrag am 07. Oktober 2026.
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