Der DVGW fördert das Gas- und Wasserfach in allen technisch-wissenschaftlichen Belangen. In seiner Arbeit konzentriert sich der Verein insbesondere auf die Themen Sicherheit, Hygiene, Umwelt- und Verbraucherschutz. Mit der Entwicklung seiner technischen Regeln ermöglicht der DVGW die technische Selbstverwaltung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Hierdurch gewährleistet er eine sichere Gas- und Wasserversorgung nach international höchsten Standards. Der im Jahr 1859 gegründete Verein hat rund 14.000 Mitglieder. Hierbei agiert der DVGW wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral
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Referenteninterview mit Jenny Sammüller
Datum der Veröffentlichung: 26. März 2026
Quantifizierende Messungen spielen eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, Emissionen verlässlich zu erfassen und technische Anlagen sicher zu betreiben. Doch wie sieht die praktische Arbeit hinter diesen Messungen aus und welche Herausforderungen entstehen insbesondere bei der Anwendung der Absaugmethode an Anlagen und erdverlegten Leitungen?
Jenny Sammüller gibt im exklusiven Interview Einblicke in ihre Erfahrungen aus der quantifizierenden Messpraxis. Sie erläutert, welche Faktoren für präzise Ergebnisse entscheidend sind, wie sich unterschiedliche Anlagentypen auf die Messmethodik auswirken und welche Entwicklungen sie in der täglichen Arbeit beobachtet.
DVGW Kongress:
Hallo Frau Sammüller, Sie sind Teamleiterin Emissionen und Ökobilanzen bei DBI Gas- und Umwelttechnik und werden am 18. Mai 2026 bei der Veranstaltung “Technikforum Methanemissionen” einen Vortrag zum Thema "Quantifizierende Messungen und Berichterstattung" halten.
Welche Erfahrungen aus der quantifizierenden Messpraxis sind für Betreiber besonders relevant?
Jenny Sammüller:
Aus unserer Messpraxis zeigt sich vor allem, wie wichtig eine sorgfältige Vorbereitung einschließlich der Sichtung von Fotos und R&I-Schemata der Anlagen ist, um die Messbarkeit sowie die Situation vor Ort realistisch einschätzen zu können. Vor Ort ist gut geschultes Personal essenziell. Das erfordert ein Verständnis für das Messverfahren, dessen Funktionsweise und dadurch auch das Wissen darüber, was während der Messung zu beachten ist, um einen fehlerfreien Messablauf zu gewährleisten. Von unseren Messenden erwarten wir zudem ein tiefes Verständnis für die Anlagentechnik, damit sie die gefunden Leckstellen eindeutig anhand der R&I-Schemen zuordnen können.
Für Betreiber besonders relevant ist daher die Kombination aus technischer Messkompetenz und praktischer Erfahrung im Umgang mit unterschiedlichen Anlagen. Faktoren wie Zugänglichkeit, Anlagengeometrie oder Lüftungssituationen können einen erheblichen Einfluss auf die Messbarkeit und die Qualität der Ergebnisse haben.
Unsere Erfahrungen in der Praxis haben ergeben, dass es empfehlenswert ist, die Messungen aus Sicherheitsgründen mit einem DVGW-G495-Sachkundigen für Gasanlagen sowie einer zweiten Person durchzuführen.
DVGW Kongress:
Wo liegen die größten Herausforderungen bei quantifizierenden Messungen im Feld, von der Vorbereitung bis zur Datenqualität?
Jenny Sammüller:
Die größten Herausforderungen liegen einerseits bei der Genauigkeit der Messgeräte. Die Geräte reagieren beispielsweise empfindlich auf sehr hohe und sehr niedrige Temperaturen. Das ist mit ein Grund dafür, warum wir uns entschieden haben, im Winter jeweils eine zweimonatige Messpause einzulegen. Andererseits haben wir eine weitere Herausforderung bei der Vergleichbarkeit von Source-Level- und Site-Level-Messungen. Die beiden Verfahren unterscheiden sich methodisch deutlich, was die Interpretation der Ergebnisse erschweren kann.
Durch unsere Erfahrung aus zahlreichen Messkampagnen und durch standardisierte Messprotokolle können wir diese Herausforderungen systematisch berücksichtigen und eine hohe Datenqualität sicherstellen.
DVGW Kongress:
Wie gelingt eine belastbare Dokumentation und Berichterstattung der Messdaten?
Jenny Sammüller:
Eine belastbare Dokumentation gelingt durch das Zusammenspiel aus klar festgelegten Prozessen und Verantwortlichkeiten, standardisiertem Messablauf, strukturierter Datenerfassung sowie kontinuierlichen Optimierungen auf Basis langjähriger Erfahrung mit Messungen. Vor Ort nutzen unsere Messenden eine von uns entwickelte App, die Schritt für Schritt durch die erforderliche Dokumentation führt. Dabei werden unter anderem die gemessene Konzentration, die Bezeichnung der Leckstelle sowie Fotos der Leckstelle erfasst. Dadurch stellen wir sicher, dass alle relevanten Informationen vollständig und nachvollziehbar dokumentiert werden. Auch bei der Auswertung der Messdaten und der Berichterstattung legen wir großen Wert auf Qualitätssicherung. Die Berichterstattung erfolgt nach dem Vier-Augen-Prinzip, sodass Messwerte und Zuordnungen zu Anlagenkomponenten nochmals überprüft werden. Für Betreiber entsteht dadurch eine transparente und verlässliche Datengrundlage.
DVGW Kongress:
Für welche Anwendungsfälle eignet sich die Absaugmethode besonders und wo stößt sie an praktische Grenzen?
Jenny Sammüller:
Die Absaugmethode eignet sich besonders gut für die quantifizierende Messung von Methanemissionen an Anlagen sowie an klar definierten Emissionsquellen. Wir setzen sie bei Site-Level-Messungen an Anlagen (GDR(M)A) sowie bei Source-Level-Messungen an Leckstellen erdverlegter Leitungen und an Ausbläsern von Anlagen ein.
Sie eignet sich insbesondere für Schrankanlagen und Gebäude in normgerechter Bauweise sowie deren Ausbläser.
Praktische Grenzen hat das Messverfahren bei großen Räumen mit einem Raumvolumen über 170 m³. Dabei ist ein sehr hoher Volumenstrom notwendig, der die Bestimmungsgrenze beeinflusst und zu Ungenauigkeiten im Messergebnis führt. Bei großen Anlagen ist es zudem schwierig, die Saugvorrichtung anzubringen und die Lüftungsgitter abzudichten. Um die Qualität der Messungen gewährleisten zu können, bieten wir aktuell keine Messungen mittels Absaugmethode über diesem Raumvolumen an. Jedoch arbeiten wir daran, unser Messequipment und den Messaufbau weiterzuentwickeln, sodass wir zukünftig auch Anlagen mit größerem Raumvolumen zuverlässig messen können.
DVGW Kongress:
Welche typischen Fehler passieren bei der Absaugmethode an Anlagen und erdverlegten Leitungen und wie lassen sie sich vermeiden?
Jenny Sammüller:
Typische Herausforderungen bei der Anwendung der Absaugmethode ergeben sich häufig aus den Randbedingungen vor Ort. Bei den Messungen an Anlagen können beispielsweise Geometrie, Zugänglichkeit oder Sicherheitsanforderungen Einfluss auf die Durchführbarkeit der Messung haben. Eine gute Vorbereitung ist daher entscheidend. Wenn Betreiber bereits im Vorfeld Fotos oder R&I-Schemata zur Verfügung stellen, lässt sich meist frühzeitig beurteilen, ob und wie eine Messung sinnvoll durchgeführt werden kann.
Bei der Messung von Leckstellen an erdverlegten Leitungen ist die Sondenplatzierung sowie die Oberflächenbeschaffenheit entscheidend, um eine gute Qualität der Messung zu gewährleisten. Schotter und grobes Gestein können beispielsweise dazu führen, dass die Sonden Fremdluft ansaugen und die Messwerte beeinflussen.
Durch gut geschulte Messende sowie durch eine enge Abstimmung mit den Betreibern im Vorfeld der Messungen können wir diese Herausforderungen in der Regel gut meistern und qualitativ hochwertige Messergebnisse erzielen.
DVGW Kongress:
Vielen Dank für das Interview, Frau Sammüller. Wir freuen uns, Sie bei unserer Veranstaltung Technikforum Methanemissionen am 18. – 19. Mai 2026 in Bonn begrüßen zu können und in den intensiven Austausch zu diesem spannenden Thema zu gehen.
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