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Klimawandel und Infrastruktur: Anpassungsstrategien für die Versorgungswirtschaft

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Datum der Veröffentlichung: 24. April 2026

 

 

Der Klimawandel macht sich überall auf der Welt bemerkbar. Hitze und Dürren wechseln sich ab mit Starkregen und Überschwemmungen. Das Wasser wird knapper und die Atmosphäre heizt sich immer stärker auf. Davon ist unsere Versorgungswirtschaft ganz direkt betroffen. Es ist wichtig, dass Unternehmen der Energie- und Wasserversorgung geeignete Anpassungsstrategien entwickeln.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Der Klimawandel hat jetzt schon vielfältige Einflüsse auf die Infrastruktur der Versorgungswirtschaft.
  • Die Politik hat bereits das Bundesklimaanpassungsgesetz erlassen und muss künftig weitere verbindliche Regelungen erstellen.
  • Versorger sollten die Risiken ihres Standorts genau kennenlernen, die Schwachstellen der Infrastruktur eruieren und geeignete Anpassungen vornehmen.
  • Die notwendigen Investitionen sind hoch, doch ohne Anpassungen käme es zu einem Einbruch der Versorgung und zu noch höheren Kosten. 

Einflüsse des Klimawandels auf die Infrastruktur der Versorgungswirtschaft

Direkte Schäden durch den Klimawandel, so erklärt Andrea Hohendahl, Chefredakteur der HZ Insurance, verursachen jedes Jahr etwa 30 Milliarden US-Dollar Kosten in Hocheinkommensländern und rund 18 Milliarden US-Dollar in Mittel- und Niedrigeinkommensländern. Das treibt nicht nur die Versicherungssummen in die Höhe, sondern auch die notwendigen Investitionskosten. Energie- und Wasserversorger können auf unterschiedliche Weise betroffen sein.

Einflüssen auf die Energiewirtschaft

Die Energieversorgung kann gleich mehrfach durch den Klimawandel beeinträchtigt werden – und zwar stärker, als bisherige Berechnungen in Betracht ziehen. Das erklärt Werner Götz von TransnetBW: „Das Wetter wird zum Schlüsselfaktor für die Versorgungssicherheit.“

Mögliche Beeinträchtigungen geschehen etwa…

  • …durch Beschädigungen der Netzanlagen durch Sturm, Frost und Starkregen
  • …durch einen Mangel an Kühlwasser in Dürre- und Hitzeperioden – hier sinkt die Wassermenge, während die Wassertemperatur ansteigt, sodass teilweise Kern- und Kohlekraftwerke wegen drohender Überhitzung ihre Leistung drosseln müssen
  • …durch steigende Meeresspiegel, wenn die Pipelines in Küstennähe liegen, und durch auftauende Permafrostböden, wenn sie durch kalte Gebiete führen
  • …durch steigende Meeresspiegel und höheren Wellengang, die Offshore-Förderanlagen zusetzen
  • …durch niedrige Pegelstände bei der Binnenschifffahrt, die die Versorgung von Steinkohlekraftwerken verhindern können

Erschwerend kommt hinzu, dass manche Formen der Energieerzeugung wie die aus Erdgas, Erdöl, Steinkohle und Braunkohle viel CO₂ freisetzen, sodass die Auswirkungen des Klimawandels noch verstärkt werden. Auch wenn ihr Anteil an der Energieerzeugung sinkt, lag er 2024 noch bei 38,4 Prozent.

Beeinträchtigungen der Wasserwirtschaft

Hitzeperioden und Dürren können zu einem Wassermangel führen, der die Versorgung einschränkt. Auf der anderen Seite kann aber Starkregen, der zu Überflutungen führt, das Trinkwasser verunreinigen. Zudem können auch die Abwassersysteme überschwemmt und vorübergehend unbrauchbar werden.

 

Aufgaben für Politik und Anbieter im Kampf gegen den Klimawandel

Im weiten Feld der anstehenden notwendigen Veränderungen haben Politik und Versorger unterschiedliche Herausforderungen zu bewältigen.

Aufgaben der Politik

Die Politik hat gleich mehrere große Aufgabenfelder zu bearbeiten: Im Bereich Energie sollte sie die Weichen für grenzüberschreitende Stromnetze stellen: „Ein klimaneutrales Energiesystem kann nur gelingen, wenn Europa als integrierter Energiemarkt handelt“, erläutern die Wissenschaftler Massimo Moser und Georgios Savvidis.

Hinsichtlich der Ressource Wasser fordert der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft e.V. Investitionen in klimaresiliente Infrastrukturen, „von überregionalen Verbindungen von Wasserversorgungssystemen über moderne Regenwasserbewirtschaftung bis hin zu naturnahen Lösungen wie Gewässer- und Moorrenaturierungen.“

Die Bundesregierung hat mit dem Bundesklimaanpassungsgesetz unter anderem Rahmenbedingungen für einen resilienten Ausbau der kritischen Infrastruktur gegeben. Nun ist sie gefragt, rasch verbindliche Regelungen und Normen für Risikoermittlung und Planung zur Verbesserung der Infrastruktur in der Versorgungswirtschaft zu schaffen. Andernfalls tappen die Anbieter überwiegend im Dunkeln, wenn sie ihre Versorgungsnetze klimaresilient ausbauen möchten.

Aufgaben der Unternehmen in der Versorgungswirtschaft 

Der Ausbau der Infrastruktur obliegt den Unternehmer:innen, die sie nutzen. Wichtig sind dafür laut den Risk Management Partners folgende Punkte:

  • Anbieter in der Versorgungswirtschaft sollten detaillierte Analysen zu den verschiedenen Klimarisiken erstellen lassen, die sich regional unterscheiden.
  • Sie sollten ihre Infrastruktur auf Schwachstellen untersuchen, die es zu verstärken oder neu zu bauen gilt.
  • Bei der Planung kann beispielsweise ein Digitaler Zwilling helfen, der es erlaubt, die verschiedenen möglichen Szenarien der Zukunft durchzuspielen.
  • Nach dem Zusammentragen der oben genannten Informationen sind die wirksamsten Schutzmaßnahmen für die Infrastruktur zu identifizieren und die Finanzierung zu prüfen.
  • Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt zudem allen Betreibern kritischer Infrastrukturen, innerbetriebliche Organisationsstrukturen für den Krisenfall zu schaffen.

Für Energieversorger kann es notwendig werden, überirdisch verlaufende Leitungstrassen aus Hochrisikogebieten zu verlegen. Wasserversorger sollten vor allem Lecks finden und reparieren sowie veraltete Infrastruktur erneuern und dabei den Erfordernissen des Klimawandels anpassen. 

 

So hoch werden die nötigen Investitionen

Für die Wasserinfrastruktur gibt es bereits ein Expertengutachten, das notwendige Investitionen von 800 Milliarden Euro für die nächsten 20 Jahre in Aussicht stellt. Der Spitzenverband der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft BDEW hat zudem einen Investitionsbedarf allein für die Energiewirtschaft von 721 Milliarden Euro bis 2030 errechnet. Er setzt sich zusammen aus:

  • etwas mehr als 350 Milliarden Euro für grüne Stromerzeugungsanlagen
  • jeweils ungefähr 140 Milliarden Euro für die Transportnetze sowie für die Verteilernetze von Strom und Gas
  • rund 32 Milliarden Euro für die Fernwärme
  • 23 Milliarden Euro für Erzeugungskapazitäten für grüne Gase
  • rund 17 Milliarden Euro für Speicher
  • rund 15 Milliarden Euro für das H2-Kernnetz

Die Investitionen sind zwar hoch, aber notwendig – und sie kommen der Wirtschaft zugute.

Fazit: Risiken identifizieren vor dem Ausbau

Um sicherzugehen, dass Ihre Maßnahmen für mehr Resilienz Ihrer kritischen Infrastruktur fruchten, sollten Sie eine sorgfältige Risikobewertung vornehmen, die Entwicklungen der Auswirkungen des Klimawandels in Betracht ziehen und die Schwachstellen in der bestehenden Infrastruktur ausfindig machen.

Im Allianz Risk Barometer steht der Klimawandel auf dem sechsten Platz im Ranking der Top 10 Geschäftsrisiken für Deutschland: „Physische Schäden an Unternehmenswerten durch Extremwetterereignisse sind hier die Hauptbedrohung. Betroffen sind vor allem Versorger sowie Energie- und Industrieunternehmen. Es ist zu erwarten, dass Unternehmensrisiken auf dem Weg zur Klimaneutralität und Haftungsrisiken steigen werden, da Firmen viel Geld in neue, häufig kaum bewährte Technologien mit geringem CO₂-Ausstoß investieren müssen, um ihr Geschäftsmodell zu transformieren.“

Die notwendigen Investitionen sind hoch, allerdings verhindern sie Schäden, die durch den Klimawandel eintreten und die Kosten noch mehr in die Höhe treiben würden. 
 

 

Der Ausbau kritischer Infrastrukturen wird auf dem DVGW-Kongress 2026 thematisiert.
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