
Referenteninterview mit Matthias Heina
Datum der Veröffentlichung: 13.02.2026
Die Stadt Duisburg steht aktuell im Mittelpunkt einer der spannendsten Veränderungen Europas: Der traditionelle Industriestandort wandelt sich zu einer klimaneutralen Wasserstoffregion und zeigt damit beispielhaft, wie der Übergang zu klimafreundlichen Produktions- und Energieprozessen gelingen kann. Im Rahmen unserer Online-Veranstaltung „Einführung in die Wasserstoffwirtschaft“ am 17. – 18. März 2026 berichtet Matthias Heina, Wasserstoff-Koordinator der Stadt Duisburg, über diese spannende Transformation. Wir haben im Vorfeld der Veranstaltung mit ihm über aktuelle Projekte und die Perspektiven einer Region im Wandel gesprochen. Im Gespräch wird deutlich, welche Rolle die Stadt bei der industriellen Dekarbonisierung einnimmt, welche innovativen Pilotvorhaben bereits auf den Weg gebracht wurden und welche Chancen – aber auch Hürden – auf dem Weg zu einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft noch vor uns liegen.
DVGW Kongress:
Herr Heina, als Wasserstoff-Koordinator der Stadt Duisburg begleiten Sie die Transformation einer der größten industriellen Standorte Europas. Was begeistert Sie persönlich an dieser Transformation am meisten?
Matthias Heina:
Mich begeistert an dieser Transformation besonders, dass Duisburg als traditioneller Industrie- und Stahlstandort die Chance hat, sich Schritt für Schritt in Richtung Klimaneutralität zu entwickeln. Mit thyssenkrupp Steel als einem der größten Wasserstoff Abnehmer entstehen hier wichtige Impulse, die auch anderen Regionen als Orientierung dienen können. Spannend ist für mich, die Energiewende gemeinsam mit Industrie, Wissenschaft, Netzbetreibern und Politik mitzugestalten und die Dynamik neuer Technologien und Partnerschaften zu erleben.
DVGW Kongress:
Bei unserer Veranstaltung „Einführung in die Wasserstoffwirtschaft“ berichten Sie über die Wasserstoffaktivitäten der Stadt Duisburg. Die Transformation der Stahlindustrie von Duisburg als Europas größtem Stahlstandort ist dabei sicherlich am bedeutsamsten. Welche Wasserstoffaktivitäten und Pilotprojekte gibt es darüber hinaus, die vielleicht weniger bekannt sind, aber großes Potenzial haben? Gibt es bereits erste Learnings aus Pilotprojekten, die Sie mit uns teilen können?
Matthias Heina:
Das Forschungsprojekt Carbon2Chem ist in die dritte Förderphase gestartet und führt seine Arbeiten an innovativen Verfahren zur CO₂ und Energiewertstoffnutzung konsequent fort. In dem Verbundprojekt von thyssenkrupp, dem MPI CEC und Fraunhofer UMSICHT wird daran geforscht, Hüttengase der Stahlproduktion in wertvolle Vorprodukte für Kraftstoffe, Kunststoffe oder Düngemittel umzuwandeln. Seit 2017 betreibt thyssenkrupp nucera hierfür einen alkalischen Elektrolyseur mit einer Leistung von 2 MW.
Mit dem Projekt enerPort II entwickelt der Duisburger Hafen parallel ein wegweisendes Konzept für die klimaneutrale Energieversorgung des neuen Duisburg Gateway Terminals (DGT). Das größte Containerterminal im europäischen Hinterland soll künftig vollständig klimaneutral betrieben werden – durch den intelligenten Einsatz von Wasserstoff, Photovoltaik und Batteriespeichern. Zudem wird eine vernetzte Energieinfrastruktur geschaffen, die perspektivisch auch angrenzende Quartiere versorgen kann. Damit ist das Projekt ein zentraler Baustein der nachhaltigen Transformation des größten Binnenhafens Europas.
Ein weiteres bedeutendes Vorhaben war der Bürgerrat zum Thema Wasserstoff im Jahr 2023, der eindrucksvoll gezeigt hat, wie wichtig transparente Kommunikation und die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger für Akzeptanz und Verständnis sind.
Gemeinsam verdeutlichen diese Aktivitäten, wie breit und engagiert Duisburg beim Thema Wasserstoff aufgestellt ist.
DVGW Kongress:
Mit Blick auf die nächsten Jahre: Welche Herausforderungen sehen Sie für den Aufbau einer funktionierenden Wasserstoffwirtschaft in einer Stadt wie Duisburg – und wo liegen die größten Chancen?
Matthias Heina:
In den kommenden Jahren stehen wir vor mehreren Herausforderungen: Die wirtschaftliche Lage und die hohen Kosten für grünen Wasserstoff bremsen derzeit viele Projekte.
Gleichzeitig müssen Infrastruktur wie H2-Pipelines (DoHa, Voerde-Walsum), Speicher und Übergabestellen zügig aufgebaut sowie ausreichende Import- und Erzeugungsmengen gesichert werden. Auch lange Förderprozesse und eine kontinuierliche Akzeptanz- und Sicherheitskommunikation bleiben zentrale Punkte.
Trotzdem bietet die Transformation Duisburg große Chancen: Als künftiger Wasserstoff-Hotspot und aufgrund seiner energieintensiven Industrie kann die Stadt erhebliche CO₂ Reduktionen erzielen. Das stärkt den Wirtschaftsstandort, schafft neue Arbeitsplätze, fördert Innovationen im Mittelstand und ermöglicht Duisburg, sich als führende Region der industriellen Dekarbonisierung zu positionieren.
DVGW Kongress:
Vielen Dank für diese interessanten Einblicke, Herr Heina. Wir freuen uns, Sie bei unserer Veranstaltung Einführung in die Wasserstoffwirtschaft am 17. – 18. März 2026 online zu begrüßen und dieses spannende Thema weiter zu diskutieren.
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