Biogasanlagen-Cluster als Infrastrukturbaustein: Wann wird Einspeisung wirtschaftlich?

Referenteninterview mit Dr. Ing. Frank Graf

Datum der Veröffentlichung: 24. September 2026

 

Biogasanlagen-Cluster bieten die Chance, Biomethan wirtschaftlicher aufzubereiten und ins Gasnetz einzuspeisen. Durch die Bündelung mehrerer Anlagen lassen sich Infrastrukturkosten senken, Skaleneffekte nutzen und zusätzliche Potenziale für erneuerbare Gase erschließen.

Im Interview erläutert Dr. Ing. Frank Graf, unter welchen Voraussetzungen die Clusterung wirtschaftlich wird, welche technischen und organisatorischen Anforderungen zu beachten sind und welche Erfolgsfaktoren bestehende Beispielprojekte auszeichnen.

DVGW Kongress:

Hallo Herr Dr. Ing. Graf, Sie sind Bereichsleiter Energietechnologie bei der DVGW-Forschungsstelle am Engler-Bunte-Institut des KIT und werden am 05. November 2026 bei der Veranstaltung “Zukunft Gasnetze” einen Vortrag zum Thema "Biogasanlagen-Cluster als Infrastrukturbaustein" halten.

Unter welchen Voraussetzungen wird die Einspeisung eines Biogasanlagen-Clusters wirtschaftlich?

Dr. Ing. Frank Graf:

Die Wirtschaftlichkeit eines Biogasanlagen-Clusters muss sowohl aus Sicht der Anlagenbetreiber als auch aus Sicht des Netzbetreibers betrachtet werden. Für Anlagenbetreiber spielt insbesondere der verfügbare Substrateinsatz eine wichtige Rolle, da dieser die erzeugbare Biogasmenge und damit die Vermarktungsmöglichkeiten des Biomethans bestimmt. Aus Sicht des Netzbetreibers ist vor allem die vorhandene Netzkapazität entscheidend, um das erzeugte Biomethan aufnehmen und verteilen zu können.

Für beide Akteursgruppen ist jedoch insbesondere der eingespeiste Biomethanvolumenstrom von zentraler Bedeutung. Mit steigendem Volumenstrom sinken die spezifischen Kosten für Aufbereitung, Einspeisung und Infrastruktur. Während große Einzelanlagen diese Skaleneffekte oft bereits erreichen, können durch die Clusterung mehrerer kleinerer Anlagen vergleichbare Volumenströme gebündelt werden. Dadurch lassen sich die vorhandenen Infrastrukturen effizienter nutzen und die Wirtschaftlichkeit der Biomethaneinspeisung sowohl für Anlagenbetreiber als auch für Netzbetreiber verbessern.

DVGW Kongress:

Welche konkreten Vorteile bietet die Clusterung für Anlagen- und Netzbetreiber?

Dr. Ing. Frank Graf:

Der größte Vorteil der Clusterung liegt in den sinkenden spezifischen Investitionskosten durch die gemeinsame Nutzung von Aufbereitungs- und Einspeiseinfrastrukturen. Für Netzbetreiber reduziert sich darüber hinaus der Planungs-, Bau- und Betriebsaufwand, da weniger Einspeisestationen errichtet und betreut werden müssen.

Auch Anlagenbetreiber profitieren von der Bündelung. Die Verantwortung für die Biogasaufbereitung kann auf mehrere Partner verteilt oder an einen gemeinsamen Betreiber übertragen werden. Zudem eröffnet die Zusammenarbeit mehrerer Anlagen die Möglichkeit, einen optimalen Einspeisepunkt am Gasnetz auszuwählen. Dadurch können Transportleitungen kürzer ausfallen und die Gesamtkosten für die Anbindung sinken.

Ein weiterer wesentlicher Vorteil besteht darin, dass durch die Clusterung insgesamt mehr Biomethan wirtschaftlich aufbereitet und in das Gasnetz eingespeist werden kann. Anlagen, für die eine eigene Aufbereitungs- und Einspeiseinfrastruktur wirtschaftlich nicht darstellbar wäre, erhalten durch die gemeinsame Nutzung der Infrastruktur Zugang zum Biomethanmarkt. Dadurch steigt die Menge an erneuerbarem Gas im Netz, was einen wichtigen Beitrag zur Dekarbonisierung der Gasversorgung und zur Erhöhung des Anteils grüner Gase im bestehenden Erdgasnetz leisten kann.

DVGW Kongress:

Welche technischen und räumlichen Kriterien bestimmen ein geeignetes Cluster?

Dr. Ing. Frank Graf:

Ein geeignetes Cluster sollte zunächst eine ausreichende Größe erreichen, damit die Biomethaneinspeisung wirtschaftlich betrieben werden kann. Hierfür ist insbesondere ein ausreichend hoher gemeinsamer Biogasvolumenstrom erforderlich. An jeder Biogasanlage sollte eine Rohbiogasübergabestation installiert werden, die die Gasmenge und Gasqualität kontinuierlich überwacht. Über ein Sammelleitungsnetz wird das Rohbiogas anschließend zur zentralen Aufbereitungsanlage transportiert. Dort erfolgt die Aufbereitung zu Biomethan gemäß den Anforderungen des DVGW-Arbeitsblatts G 260. In der nachgelagerten Biogaseinspeiseanlage wird das Biomethan auf den erforderlichen Netzdruck verdichtet, die Einhaltung der Gasqualität sichergestellt und bei Bedarf eine Brennwertanpassung vorgenommen. 

Darüber hinaus spielen räumliche Faktoren eine wichtige Rolle. Die Biogasanlagen sollten möglichst nahe beieinander liegen, um die Kosten für Sammelleitungen gering zu halten. Ebenso ist eine geringe Entfernung zum Erdgasnetz von Vorteil, da dadurch die Investitionen für die Netzanbindung reduziert werden können.

DVGW Kongress:

Wie können Kosten, Risiken und Verantwortlichkeiten zwischen den Beteiligten verteilt werden?

Dr. Ing. Frank Graf:

Für den langfristigen Erfolg eines Clusters sind klare vertragliche Regelungen unerlässlich. Bereits in der Planungsphase sollten Kostenverteilung, Betriebsverantwortung, Haftungsfragen und Entscheidungsprozesse gemeinsam definiert werden. Da die Rahmenbedingungen jedes Clusters unterschiedlich sind, gibt es keine allgemeingültige Lösung.

Eine frühzeitige juristische und wirtschaftliche Beratung kann helfen, Risiken zu minimieren und tragfähige Vereinbarungen für alle Beteiligten zu schaffen. Wichtig ist insbesondere, dass Chancen und Pflichten transparent verteilt werden und die Interessen aller Partner angemessen berücksichtigt werden.

DVGW Kongress:

Welche Erfolgsfaktoren und Herausforderungen zeigen sich bei bestehenden Beispielclustern?

Dr. Ing. Frank Graf:

Erfolgreiche Biogas-Cluster zeichnen sich in der Regel durch eine ausreichende Anlagengröße, kurze Transportwege sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit der beteiligten Partner aus. Klare Zuständigkeiten und langfristige Vereinbarungen schaffen Planungssicherheit und erleichtern den gemeinsamen Betrieb.

Zu den größten Herausforderungen zählen hingegen die Abstimmung unterschiedlicher Interessen, die Verteilung von Investitions- und Betriebskosten sowie die langfristige Organisation von Verantwortlichkeiten. Hinzu kommen technische Anforderungen an den kontinuierlichen Betrieb und die Koordination mehrerer Anlagen. Werden diese Herausforderungen jedoch frühzeitig adressiert, kann die Clusterung einen wichtigen Beitrag zur wirtschaftlichen Biomethaneinspeisung leisten.

DVGW Kongress:

Vielen Dank für das Interview, Herr Dr. Ing. Frank Graf. Wir freuen uns, Sie bei unserer Veranstaltung Zukunft Gasnetze am 04. – 05. November 2026 begrüßen zu können und in den intensiven Austausch zu diesem spannenden Thema zu gehen.

Sie möchten mehr zum Thema Biogasanlagen-Cluster als Infrastrukturbaustein erfahren? Wir laden Sie am 04. – 05. November 2026 herzlich zu unserer Veranstaltung „Zukunft Gasnetze“ ein.
Zur Veranstaltung
Newsletter

Sie wollen kein Event mehr verpassen? Bleiben Sie mit dem DVGW Kongress Newsletter immer auf dem neusten Stand. Erhalten Sie aktuelle Informationen aus der Energie- und Wasserbranche und zu unseren Veranstaltungen alle sechs Wochen direkt in Ihr Postfach.
Hier Anmelden