Alternde Infrastruktur in der Wasserversorgung: Strategien für nachhaltige Erneuerung

© Copyright shutterstock-1396621199

Datum der Veröffentlichung: 30. Januar 2026

 

 

Die Versorgungsnetze, über die wir unser Trinkwasser bekommen und über die unser Abwasser weggeleitet wird, sind teilweise viele Jahrzehnte alt. Manche der Rohre wurden noch vor oder kurz nach dem Krieg beim Wiederaufbau in die Erde eingebracht – ausgelegt auf deutlich weniger Menschen als sie mittlerweile nutzen. Heute ist es kompliziert, sie für Reparaturen zu erreichen. Doch das wird immer wieder nötig, viele dieser Rohre nähern sich dem Ende ihrer Lebensdauer – oder haben sie bereits überschritten. 

Das Wichtigste in Kürze

  • Viele der Infrastrukturen der Wasserwirtschaft in Deutschland sind alt und teilweise marode.
  • Durch die Lecks gehen riesige Wassermengen verloren.
  • Die Investitionen, die in den kommenden 20 Jahren nötig werden, sind laut einer Studie außerordentlich hoch.
  • Neben Sanierung und Anpassung an die Erfordernisse durch den Klimawandel sollten Unternehmer:innen auch auf neue Technologien für Prävention und Optimierung setzen.

Darum sind Sanierungen bei alternder Infrastruktur so wichtig

Je älter die Infrastrukturen in der Wasserversorgung sind, desto häufiger treten Lecks auf. Durch diese gehen nicht nur große Wassermengen verloren sondern es können auch Verunreinigungen ins Trinkwasser gelangen.

Das Bundesumweltministerium hat eine nationale Wasserstrategie entworfen, die zehn Punkte umfasst. Einer dieser Punkte lautet „Wasserinfrastrukturen klimaangepasst entwickeln“. Das erfordert allerdings einen hohen planerischen und finanziellen Aufwand.

Erforderliche Investitionen in gewaltiger Höhe

Im April 2025 veröffentlichte die BBH-Gruppe eine Studie, die sie im Auftrag des Verbands kommunaler Unternehmen e.V. (VKU) erstellt hat, um die notwendigen Investitionen in die Wasserwirtschaft bis zum Jahr 2045 zu ermitteln. Dafür wurden 300 Mitgliedsunternehmen des VKU befragt nach:

 

  • Standort
  • Versorgungsstruktur
  • Unternehmensgröße
  • Versorgungsgebiet
  • Alter der Netze
  • Sanierungskosten pro Meter Leitung
  • geplanten Rehabilitationsraten
  • erwarteten Investitionen

 

Die Ergebnisse der Studie mögen manche Unternehmen in der Wasserversorgung schockiert haben: Bis zum Jahr 2045 werden wahrscheinlich Investitionen von rund 800 Milliarden Euro nötig sein. Das entspricht einer Vervierfachung des bisherigen Investitionsbedarfs. Da manche Anpassungen an die Veränderungen durch den Klimawandel sich aber noch nicht absehen lassen, kann die Summe der notwendigen Investitionen auch noch höher ausfallen.

 

Info:

Angesichts der Höhe der notwendigen Investitionen drängt der VKU nachdrücklich darauf, dass Unternehmen der Wasserversorgung mit Mitteln aus dem Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität gefördert werden sollen.

High-Tech-Unterstützung für die Wasserversorgungsinfrastruktur

Mittels eines Asset Managements lassen sich in Unternehmen der Wasserwirtschaft die Netze perfekt überwachen, was eine substanzorientierte Werterhaltung vereinfacht. Unternehmen können sich mithilfe moderner Technologien ein genaues Bild vom Zustand der Leitungen machen und so genau planen, wann und wo welche Arbeiten nötig sind.

Künstliche Intelligenz ist dabei ein Thema, mit dem sich Unternehmer:innen in der Wasserwirtschaft zwingend auseinandersetzen sollten. Durch die Analyse historischer und aktueller Daten in Mengen, die ohne KI nicht analysiert werden können (Stichwort Big Data) sind zahlreiche Verbesserungen möglich, etwa:

 

  • Erkennung und Prävention von Leckagen
  • Betriebsoptimierungen, die einen besseren Schutz der Umwelt und Kosteneinsparungen zur Folge haben
  • eine optimierte Überwachung der Wasserqualität
  • frühzeitige Wartung für eine höhere Lebensdauer der Infrastruktur

 

Planung, Sanierung und Investitionen

Wie es anders geht, zeigt sich beispielsweise in Leipzig: „In den vergangenen zehn Jahren konnten wir die Wasserverluste unter anderem durch umfangreiche Leitungssanierungen und gezielte Programme zur Erkennung und Beseitigung von Leckagen um etwa 15 Prozent auf das heutige Niveau reduzieren“, sagt Katja Gläß von den Leipziger Wasserwerken.

Ein sorgfältig ausgearbeiteter Plan sieht vor, dass die Wasserwerke Leipzig pro Jahr 15 Kilometer der Leitungen in ihrem Versorgungsgebiet erneuern, Tendenz steigend: Bis zum Ende des Jahrzehntes sollen es dann bereits 25 Kilometer sein.

In Bad Homburg arbeiten die Wasserwerke mit dem 2021 gegründeten Unternehmen Preventio zusammen, das eine Technologie entwickelt hat, die Trinkwasserverluste früh entdecken oder sogar voraussagen kann. Es handelt sich um eine künstliche Intelligenz, die allein datenbasiert arbeitet und nicht auf Sensoren angewiesen sind. In den ersten drei Jahren hat die KI 15 Lecks in der Infrastruktur entdeckt.

Fazit: Sanierungen planen und Ausgaben nicht scheuen

Verantwortliche in der Wasserwirtschaft sollten eine genaue Bestandsaufnahme ihrer Infrastruktur machen und ihren Bedarf an Technik erkunden:

  • Gibt es kaum Möglichkeiten, Lecks auf herkömmliche Weise zu entdecken, kann KI-Einsatz sinnvoll sein. Sie hilft dabei, bei der Planung für die Sanierungen die richtigen Prioritäten zu setzen.
  • Lecks zu schließen, hat die höchste Priorität. Danach erfolgt der Austausch der ältesten Teile der Infrastruktur.
  • Im Zuge der Erstellung eines Investitionsplans sollten die Sanierungen am besten über Jahrzehnte hinaus geplant werden – wobei Anpassungen nach neuen Erkenntnissen oder finanziellen Möglichkeiten immer möglich sein sollten.

 

Entdecken Sie unsere Wasserveranstaltungen!
Hier entlang