Der DVGW fördert das Gas- und Wasserfach in allen technisch-wissenschaftlichen Belangen. In seiner Arbeit konzentriert sich der Verein insbesondere auf die Themen Sicherheit, Hygiene, Umwelt- und Verbraucherschutz. Mit der Entwicklung seiner technischen Regeln ermöglicht der DVGW die technische Selbstverwaltung der Gas- und Wasserwirtschaft in Deutschland. Hierdurch gewährleistet er eine sichere Gas- und Wasserversorgung nach international höchsten Standards. Der im Jahr 1859 gegründete Verein hat rund 14.000 Mitglieder. Hierbei agiert der DVGW wirtschaftlich unabhängig und politisch neutral
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Der Wasserstoffhochlauf gilt als eine der zentralen Herausforderungen der Energiewende. Damit grüner Wasserstoff weltweit verfügbar wird und in relevanten Mengen nach Europa gelangt, braucht es nicht nur technologische Innovationen, sondern vor allem funktionierende Märkte, verlässliche Rahmenbedingungen und internationale Partnerschaften.
Im Interview spricht Markus Exenberger, Vorstandsvorsitzender der H2Global Foundation und Mitbegründer von H2Global, über die aktuellen Herausforderungen beim Aufbau einer globalen Wasserstoffwirtschaft, die Rolle von H2Global als Marktinstrument und die Impulse, die jetzt für einen erfolgreichen Hochlauf von grünem Wasserstoff notwendig sind.
Datum der Veröffentlichung: 23. September 2026
DVGW Kongress:
H2Global gilt als eines der zentralen Instrumente für den internationalen Wasserstoffhochlauf. Was ist der Kernauftrag der H2Global Foundation und worin unterscheidet sich Ihr Ansatz von anderen Förderprogrammen?
Markus Exenberger:
Der Kernauftrag von H2Global ist dabei zu unterstützen einen Markt zu schaffen. Es geht primär nicht darum einen einzelnen Sektor, oder ein Unternehmen zu fördern. Die Entwicklung aller neuen Märkte die in den letzten 200 Jahren entwickelt wurden (Eisenbahn, Telefon, Solar, Batterie…) fand in einer sogenannten S-Kurve statt. Das bedeutet das eine Marktentwicklung nur bis zu einem gewissen Punkt gefördert werden muss, einem „Tipping-Point“. Dieser liegt bei sauberen Wasserstoff bei ca. 5 bis 8% des Marktvolumens. Es ist also gar nicht notwendig das ein Staat eine neue Technologie sehr lange fördern muss. Aber es sollte strukturiert, effizient und effektiv gefördert werden. H2 Global ist ein Instrument, das effizient und effektiv eingesetzt wird, von der deutschen, aber mittlerweile auch von einer ganzen Reihe von Regierungen in der EU und global. Dabei werden über H2Global Auktionen verbindliche Verträge mit Produzenten und Abnehmern geschlossen (H2-global.org). Derzeit mit einem Volumen von insgesamt fast 9 Mrd. Euro.
DVGW Kongress:
Oft sind es weniger die technischen als die systemischen Fragen, die den schnellen Einsatz von Wasserstoff bremsen. Etwa Nachhaltigkeitskriterien, Herkunftsnachweise oder regulatorische Vorgaben. Wo sehen Sie aktuell die größten Hürden für den Import von grünem Wasserstoff und seinen Derivaten?
Markus Exenberger:
Die größten Hürden sehen wir zur Zeit in Unklarheiten bezüglich der zukünftigen Anwendung der RFNBO und des CBAM. Wenn hier keine langfristige Klarheit generiert werden kann, werden Investitionsentscheidungen erschwert, oder sie werden sogar ausbleiben.
DVGW Kongress:
Wie schätzen Sie in diesem Zusammenhang das vom DVGW und weiteren Partnern aufgesetzte Projekt einer Normungsroadmap Wasserstoffderivate und -technologien ein, das den sicheren Transport und globalen Handel von internationalen Lieferketten ermöglichen soll?
Markus Exenberger:
Synchronisierung und Zusammenarbeit sind enorm wichtig, weshalb wir diese Initiative des DVGW sehr begrüßen und auch bereits seit Jahren eng mit dem DVGW zusammenarbeiten.
DVGW Kongress:
Europa hat sich ambitionierte Wasserstoff-Ziele gesetzt. Doch mehrere Studien bescheinigen dem Wasserstoffhochlauf einen holprigen Start. Wo steht Europa Ihrer Einschätzung nach aktuell?
Markus Exenberger:
Weit hinter den selbstgesetzten Zielen und den Anschluss an die Entwicklungen in China verlierend. Aber auf der anderen Seite ist genug Substanz und Know-how da, um diesen Rückstand wieder aufzuholen. Es bedarf konzentrierter Anstrengungen und langfristiger politischer Planung und Umsetzung und im Besonderen der Schaffung verbindlicher und sicherer Rahmenbedingungen.
DVGW Kongress:
Ab 2027 importiert Deutschland im Rahmen von H2Global erstmals grüne Wasserstoffprodukte in relevanter Größenordnung, darunter grünes Ammoniak aus Ägypten. Wie funktioniert der diesem Prozess zugrunde liegende Doppel‑Auktionsmechanismus und welchen Beitrag leistet dieses Projekt aus Ihrer Sicht für den Markthochlauf von Wasserstoff in Deutschland?
Markus Exenberger:
H2Global simuliert im Prinzip einen noch nicht vorhandenen Markt. Mit Mitteln, die uns Regierungen zur Verfügung stellen, kaufen wir regional, oder global in Auktionen grünen Wasserstoff oder Derivate ein. Dafür offerieren wir dem Produzenten eine 10- jährige feste Abnahme zu einem garantierten Preis. Der Produzent muss die Moleküle nach Deutschland, oder die EU liefern und von dort verkaufen wir das Produkt zeitdivergent, für ein Jahr in den Markt. Zeitdivergent deshalb, weil wir davon ausgehen, da wir zukünftig für das grüne Produkt höhere Preise bekommen können und damit die Preisdifferenz zu den erwartbaren höhen Einkaufspreisen schließen können. H2Global ist gemeinnützig, was bedeutet das alle Preise, die wir in Auktionen erzielen transparent veröffentlicht werden. Die daraus entstehenden Preissignale sind ein wichtiger Indikator für die Schaffung eines Marktes. Zur Zeit ist H2Global der wahrscheinlich größte Händler für grünen Wasserstoff weltweit. Sobald der Markt geschaffen ist, wird sich H2Global wieder aus dem Markt zurückziehen und den bereits etablierten Händlern und Börsen die weitere Marktentwicklung überlassen.
DVGW Kongress:
Der DVGW Kongress bringt Fachleute aus Versorgung, Forschung und Politik zusammen. Was erwarten Sie sich persönlich von der Diskussion vor Ort und welche Impulse möchten Sie für den Wasserstoffhochlauf setzen?
Markus Exenberger:
Ich freue mich auf angeregte Diskussionen mit viel Herzblut für die gemeinsame Arbeit zur Schaffung einer Wasserstoff-Wirtschaft.
DVGW Kongress:
Vielen Dank für das Interview, Herr Exenberger! Wir freuen uns auf den gemeinsamen Austausch in Bonn.