
Datum der Veröffentlichung: 09. Februar 2026
Die Trinkwasserversorgung in Deutschland gelingt flächendeckend sehr gut. Dafür sind allerdings viel Arbeit, Organisation, Aufbereitung, Qualitätskontrolle und vorausschauende Planung notwendig. Den Weg von der Gewinnung des Rohwassers bis hin zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit zeichnen wir hier für Sie nach.
Je nach Region stammt das Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung aus unterschiedlichen Quellen. Laut Umweltbundesamt teilt sich die Verteilung wie folgt auf:
Nach der Trinkwassereinzugsgebietsverordnung (TrinkwEGV) sind Wassergewinnungsunternehmen verpflichtet, nicht nur auf die Qualität des Wassers, sondern auch auf die Bedingungen in seinem Einzugsgebiet zu achten. „Im Fokus steht nicht allein das Endprodukt Trinkwasser wie etwa bei der Trinkwasserverordnung, sondern das gesamte Gebiet, durch das das Wasser zu den Brunnen des Unternehmens fließt“, erläutert Ursula Karges vom IWW Zentrum Wasser.
Diese neue Verpflichtung (seit November 2025 gültig) stellt Unternehmen teilweise vor erhebliche Probleme, da die Einzugsgebiete oft deutlich größer sind als die Wasserschutzgebiete.
Die Vorgehensweise bei der Verteilung des Wassers im Gebiet hängt stark von der Region ab: Um alle Bereiche jederzeit gleichmäßig und mit dem notwendigen Druck an alle Abnehmer:innen zu verteilen, nutzen die Wasserunternehmen teils das landschaftliche Gefälle und arbeiten stellenweise mit Wassertürmen und -Reservoirs sowie Pumpen.
Nur etwa ein Viertel des Rohwassers, das dem natürlichen Wasserkreislauf entnommen wird, hat laut Bundesumweltministerium ohne Behandlung oder Aufbereitung Trinkwasserqualität. Je nachdem, welche Qualität das Rohwasser aufweist, werden unterschiedliche Arten der Aufbereitung bis hin zur Desinfektion in den Wasserwerken erforderlich. Rohwasser kann unter anderem belastet sein mit:
Das Qualitätsmanagement sieht regelmäßige Laborkontrollen des geförderten Wassers im Wasserwerk vor. Zudem überwacht der Staat die Gewässerqualität. Dadurch kann eine hohe Qualität des abgegebenen Trinkwassers gewährleistet werden. Dr. Frank Sacher vom DVGW-Technologiezentrum Wasser führt dazu aus: „Zusammenfassend kann man konstatieren, dass die Qualität des Trinkwassers in Deutschland heute auf einem höheren Niveau ist als jemals zuvor.“
Die Aufbereitung des Wassers erfolgt je nach Bedarf in verschiedenen Schritten, wie Expert:innen des Versorgungsunternehmens Mainova erklären:
Nicht alle Arten von Filterung oder Reinigung sind bei allen Arten von Rohwasser nötig.
Mehr als 6.000 Unternehmen sind in Deutschlands Trinkwasserwirtschaft tätig. Sie alle müssen sich an strenge Regularien halten, um die Reinheit des Trinkwassers zu gewährleisten. Die EU stellt beispielsweise Bewertungsgrundlagen für alle Werkstoffe zur Verfügung, die mit dem Wasser bei der Sammlung, Speicherung und Verteilung in Berührung kommen, etwa:
Zudem müssen Unternehmen der Wasserwirtschaft laufend die Einhaltung zahlreicher Regeln, Gesetze und Verordnungen wie der Grundwasserverordnung (GrwV), der Trinkwasserverordnung (TrinkwV), der Abwasserverordnung (AbwV), der Oberflächengewässerverordnung (OgewV), der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) und des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) nachweisen.
Anbieter wie etwa das SGS Institut Fresenius haben sich auf entsprechende Untersuchungen spezialisiert.
Welche aktuellen Herausforderungen gibt es in der Trinkwasserversorgung?
Die Herausforderungen in der Trinkwasserversorgung treten heute von ganz unterschiedlichen Seiten an die Unternehmen heran und reichen vom Klimawandel über Spurenstoffe bis hin zu grundsätzlich wirtschaftlichen Aspekten.
Das internationale Forschungsmodul „Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbedingte Infektionen und die Trinkwassersicherheit“ der Technischen Universität Braunschweig und der An-Najah National University Nablus (Westjordanland) befasst sich mit den besonderen Herausforderungen für die Trinkwassersicherheit, die durch den Klimawandel entstehen:
Professor Steinert von der TU Braunschweig erklärt: „Auch in Deutschland besteht Handlungsbedarf, da Nicht-Cholera-Vibrionen-, Legionellen-, Cyanobakterien- und wasserbedingte Virusinfektionen zunehmen werden.“

Spurenstoffe nennt man auch Mikroschadstoffe oder Mikroverunreinigungen, wenn sie schädlich sind. Sie sind im Wasser gelöst und gehören unterschiedlichen Stoffgruppen an, etwa:
Spurenstoffe kommen in sehr geringen Mengen vor, sind dafür aber inzwischen überall – auch in menschlichen Körpern und in denen von Eisbären wurden sie nachgewiesen. Die Stadtwerke Rastatt beschreiben, wie sie gegen PFAS vorgehen: Einerseits werden alle Wasseraufbereitungsanlagen mit Aktivkohlefiltern ausgestattet, und andererseits werden Forschungsprojekte und Netzwerke zum Thema gegründet und unterstützt.
Um auch zukünftig die Versorgung mit Trinkwasser gewährleisten zu können, sollten Unternehmen der Wasserwirtschaft ganzheitlich planen:
Eine vorausschauende Planung, die alle kommenden Herausforderungen berücksichtigt, gewährleistet auch künftig eine sichere und zuverlässige Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die Bürgerinnen und Bürger.