So funktioniert die Trinkwasserversorgung in Deutschland

Datum der Veröffentlichung: 09. Februar 2026

 

 

Die Trinkwasserversorgung in Deutschland gelingt flächendeckend sehr gut. Dafür sind allerdings viel Arbeit, Organisation, Aufbereitung, Qualitätskontrolle und vorausschauende Planung notwendig. Den Weg von der Gewinnung des Rohwassers bis hin zur Gewährleistung der Versorgungssicherheit zeichnen wir hier für Sie nach.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Trinkwasserversorgung in Deutschland ist sicher und von hoher Qualität.
  • Neue Regelungen stellen hohe Ansprüche an die Wasserunternehmen des Landes, die laufend die Qualität des Trinkwassers prüfen müssen.
  • Neue Herausforderungen kommen etwa durch den Klimawandel, aber auch durch Mikroschadstoffe zustande.
  • Eine ganzheitliche Planung, die aktuelle und zukünftige Gefahren mit einbezieht, gewährleistet auch weiterhin eine sichere Trinkwasserversorgung für alle Menschen in Deutschland. 

Rohwassergewinnung und Einzugsgebietsmanagement

Je nach Region stammt das Rohwasser für die Trinkwasseraufbereitung aus unterschiedlichen Quellen. Laut Umweltbundesamt teilt sich die Verteilung wie folgt auf:

  • 67,6 % stammen aus Grundwasser
  • 15,9 % stammen aus Oberflächenwasser (etwa aus Stauseen)
  • 16,5 % stammen aus Uferfiltrat oder künstlich angereichertem Grundwasser 

Nach der Trinkwassereinzugsgebietsverordnung (TrinkwEGV) sind Wassergewinnungsunternehmen verpflichtet, nicht nur auf die Qualität des Wassers, sondern auch auf die Bedingungen in seinem Einzugsgebiet zu achten. „Im Fokus steht nicht allein das Endprodukt Trinkwasser wie etwa bei der Trinkwasserverordnung, sondern das gesamte Gebiet, durch das das Wasser zu den Brunnen des Unternehmens fließt“, erläutert Ursula Karges vom IWW Zentrum Wasser.

 

Info:

Diese neue Verpflichtung (seit November 2025 gültig) stellt Unternehmen teilweise vor erhebliche Probleme, da die Einzugsgebiete oft deutlich größer sind als die Wasserschutzgebiete.

 

Die Vorgehensweise bei der Verteilung des Wassers im Gebiet hängt stark von der Region ab: Um alle Bereiche jederzeit gleichmäßig und mit dem notwendigen Druck an alle Abnehmer:innen zu verteilen, nutzen die Wasserunternehmen teils das landschaftliche Gefälle und arbeiten stellenweise mit Wassertürmen und -Reservoirs sowie Pumpen.

Anforderungen an Wasseraufbereitung und Qualitätssicherung

Nur etwa ein Viertel des Rohwassers, das dem natürlichen Wasserkreislauf entnommen wird, hat laut Bundesumweltministerium ohne Behandlung oder Aufbereitung Trinkwasserqualität. Je nachdem, welche Qualität das Rohwasser aufweist, werden unterschiedliche Arten der Aufbereitung bis hin zur Desinfektion in den Wasserwerken erforderlich. Rohwasser kann unter anderem belastet sein mit:

  • Schwermetallen wie Eisen und Mangan (Grundwasser)
  • Nitrat aus der Landwirtschaft
  • per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS), also sogenannte Ewigkeitschemikalien, die nicht abbaubar sind und sich in Lebewesen anreichern können
  • Mikroorganismen
  • Arzneimittelrückständen

Das Qualitätsmanagement sieht regelmäßige Laborkontrollen des geförderten Wassers im Wasserwerk vor. Zudem überwacht der Staat die Gewässerqualität. Dadurch kann eine hohe Qualität des abgegebenen Trinkwassers gewährleistet werden. Dr. Frank Sacher vom DVGW-Technologiezentrum Wasser führt dazu aus: „Zusammenfassend kann man konstatieren, dass die Qualität des Trinkwassers in Deutschland heute auf einem höheren Niveau ist als jemals zuvor.“

Die Aufbereitung des Wassers erfolgt je nach Bedarf in verschiedenen Schritten, wie Expert:innen des Versorgungsunternehmens Mainova erklären:

  • Das geförderte Rohwasser wird mit Sauerstoff angereichert, was die Filterung von Eisen und anderen Schadstoffen erleichtert.
  • Es wird durch feine Sand- und Kiesfilter gelenkt, wodurch Überschüsse an Kohlensäure und Eisen entfernt werden.
  • Müssen organische Substanzen wie etwa Pestizide entfernt werden, erfolgt der Einsatz eines Aktivkohlefilters.
  • In Fällen mikrobakteriellen Befalls muss das Wasser desinfiziert oder gechlort werden.

Nicht alle Arten von Filterung oder Reinigung sind bei allen Arten von Rohwasser nötig.

 

Technische und regulatorische Schnittstellen in der Trinkwasserversorgung

Mehr als 6.000 Unternehmen sind in Deutschlands Trinkwasserwirtschaft tätig. Sie alle müssen sich an strenge Regularien halten, um die Reinheit des Trinkwassers zu gewährleisten. Die EU stellt beispielsweise Bewertungsgrundlagen für alle Werkstoffe zur Verfügung, die mit dem Wasser bei der Sammlung, Speicherung und Verteilung in Berührung kommen, etwa:

  • Metalle
  • Email und keramische Werkstoffe
  • zementgebundene Werkstoffe
  • Kunststoffe
  • organische Materialien
  • Silikone
  • Elastomere

Zudem müssen Unternehmen der Wasserwirtschaft laufend die Einhaltung zahlreicher Regeln, Gesetze und Verordnungen wie der Grundwasserverordnung (GrwV), der Trinkwasserverordnung (TrinkwV), der Abwasserverordnung (AbwV), der Oberflächengewässerverordnung (OgewV), der Bundes-Bodenschutz- und Altlastenverordnung (BBodSchV) und des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) nachweisen.

Anbieter wie etwa das SGS Institut Fresenius haben sich auf entsprechende Untersuchungen spezialisiert.

 

Welche aktuellen Herausforderungen gibt es in der Trinkwasserversorgung?

Die Herausforderungen in der Trinkwasserversorgung treten heute von ganz unterschiedlichen Seiten an die Unternehmen heran und reichen vom Klimawandel über Spurenstoffe bis hin zu grundsätzlich wirtschaftlichen Aspekten.

Klimawandel

Das internationale Forschungsmodul „Auswirkungen des Klimawandels auf wasserbedingte Infektionen und die Trinkwassersicherheit“ der Technischen Universität Braunschweig und der An-Najah National University Nablus (Westjordanland) befasst sich mit den besonderen Herausforderungen für die Trinkwassersicherheit, die durch den Klimawandel entstehen:

  • Steigende Wassertemperaturen begünstigen die schnellere Vermehrung von Krankheitserregern.
  • Bislang nicht gesundheitsgefährdende Erreger können sich an höhere Temperaturen anpassen und dadurch ebenfalls gefährlich werden.
  • Starkregen kann die veraltete Wasserinfrastruktur schädigen, wodurch es zu Verunreinigungen kommen kann.
  • Ausbleibende Niederschläge sorgen für eine Konzentration von Erregern im Wasser.

Professor Steinert von der TU Braunschweig erklärt: „Auch in Deutschland besteht Handlungsbedarf, da Nicht-Cholera-Vibrionen-, Legionellen-, Cyanobakterien- und wasserbedingte Virusinfektionen zunehmen werden.“

Spurenstoffe © AdobeStock_948229930

Spurenstoffe

Spurenstoffe nennt man auch Mikroschadstoffe oder Mikroverunreinigungen, wenn sie schädlich sind. Sie sind im Wasser gelöst und gehören unterschiedlichen Stoffgruppen an, etwa:

  • Arzneimittelwerkstoffen (aus Medizin für Menschen und Tiere)
  • Wirkstoffen aus Kosmetika
  • Chemikalien aus Haushalten und Industrie (auch Ewigkeitschemikalien/PFAS)
  • Pestiziden

Spurenstoffe kommen in sehr geringen Mengen vor, sind dafür aber inzwischen überall – auch in menschlichen Körpern und in denen von Eisbären wurden sie nachgewiesen. Die Stadtwerke Rastatt beschreiben, wie sie gegen PFAS vorgehen: Einerseits werden alle Wasseraufbereitungsanlagen mit Aktivkohlefiltern ausgestattet, und andererseits werden Forschungsprojekte und Netzwerke zum Thema gegründet und unterstützt.

Fazit: Mit ganzheitlicher Planung zur Wasserversorgungssicherheit

Um auch zukünftig die Versorgung mit Trinkwasser gewährleisten zu können, sollten Unternehmen der Wasserwirtschaft ganzheitlich planen:

  • Wichtig sind regelmäßige Überprüfungen nicht nur der Wasserqualität, sondern auch der Infrastruktur, damit es nicht zu Verlusten, Verunreinigungen oder Ausfällen kommt.
  • Ausbauten sollten auf jeden Fall im Hinblick auf die veränderlichen Anforderungen im Zuge des Klimawandels vorgenommen werden.
  • Vor dem Beginn der Ausbauten ist zu prüfen, inwieweit die Planung mit angrenzenden Gebieten abgestimmt werden kann, um Synergien zu nutzen.
  • Aktivkohlefilter sollten in allen Unternehmen vorhanden sein, da die Belastung mit PFAS nicht wieder abnehmen wird, selbst wenn ihr Einsatz ganz verboten werden sollte.
  • Energieeffiziente Verfahren und sinnvolle Automatisierung helfen bei Einsparungen von Energie, Geld und Zeit.

Eine vorausschauende Planung, die alle kommenden Herausforderungen berücksichtigt, gewährleistet auch künftig eine sichere und zuverlässige Versorgung mit sauberem Trinkwasser für die Bürgerinnen und Bürger.

 

Tipp: Interessiert Sie das Thema? Wir empfehlen Ihnen unsere Online-Veranstaltung „Der Weg des Wassers“ am 10. und 11. März 2026.
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