
Datum der Veröffentlichung: 15. Januar 2026
Ein gut strukturiertes Asset Management bildet die Grundlage für eine sichere, wirtschaftliche und nachhaltige Gasversorgung. Lebenszyklusansätze helfen dabei, Netzrisiken systematisch zu bewerten und Investitionen effizient zu planen. Dieser Beitrag zeigt, wie Versorgungsunternehmen ihre Instandhaltungsstrategie für Rohrleitungen optimieren können, welche Werkzeuge sich in der Praxis bewährt haben und welche Herausforderungen zu berücksichtigen sind.
In vielen Gasversorgungsnetzen zeigt sich ein Spannungsfeld: Die Infrastrukturen altern, der Fachkräftemangel nimmt zu, regulatorische Anforderungen steigen und die Mittel für Investitionen sind begrenzt. Ohne fundierte Entscheidungsgrundlagen drohen entweder überhöhte Ausgaben oder ein steigendes Risiko technischer Ausfälle. Asset Management bietet einen strukturierten Rahmen, um technische, wirtschaftliche und regulatorische Aspekte zu vereinen.
Ein Lebenszyklusansatz begleitet Rohrleitungen vom Bau bis zur Stilllegung. Dabei stehen die technischen Eigenschaften, der wirtschaftliche Nutzen und der Sicherheitsaspekt gleichermaßen im Fokus. Die typischen Phasen eines solchen Ansatzes:
Viele Netzbetreiber nutzen Zustandsklassen, um Rohrleitungen objektiv bewerten zu können. Häufig erfolgt die Einordnung auf einer Skala von 1 (neuwertig) bis 5 (kritisch). Grundlage sind technische und betriebliche Parameter wie:
Darüber hinaus spielen externe Faktoren eine Rolle: Leitungen in stark bebauten Gebieten oder in der Nähe sensibler Infrastruktur werden höher gewichtet als Abschnitte mit geringerer Netzwirkung. Derartige Bewertungen ermöglichen zum einen eine technische Einschätzung und zum anderen eine risikobasierte Priorisierung, wie sie etwa in den DVGW-Arbeitsblättern GW 301 und GW 302 empfohlen wird.
Auf dieser Basis lassen sich Maßnahmen risikoorientiert priorisieren. So können zum Beispiel zwei gleich alte Leitungsabschnitte sehr unterschiedliche Erneuerungsperspektiven haben – je nachdem, ob sie in einem urbanen Hochdrucknetz oder in einem gering beanspruchten Randbereich liegen.
Statistische Alterungsmodelle ergänzen die Zustandsbewertung um eine zeitliche Komponente. Auf Grundlage historischer Schadensdaten und technischer Erfahrungswerte lassen sich Aussagen darüber treffen, wann eine Leitung voraussichtlich ausfällt oder wirtschaftlich nicht mehr tragfähig betrieben werden kann. Berücksichtigt werden typischerweise:
Die Ergebnisse dieser Modellrechnungen gehen direkt in die mittelfristige Investitions- und Maßnahmenplanung ein. Leitungsabschnitte mit hoher prognostizierter Ausfallwahrscheinlichkeit innerhalb eines definierten Zeitraums erhalten eine höhere Priorität. Damit lassen sich technische Zustandsdaten und zeitliche Prognosen systematisch zusammenführen.
Geografische Informationssysteme (GIS) gehören heute zur Standardausstattung technischer Netzführung. Sie ermöglichen nicht nur die visuelle Darstellung der Infrastruktur, sondern auch die Verknüpfung mit Zustandsdaten, Materialinformationen und Ereignisprotokollen.
In der Praxis werden diese Systeme zunehmend mit Simulationsdaten ergänzt. Digitale Zwillinge entstehen, wenn reale Netzdaten mit virtuellen Modellen verknüpft werden, etwa zur Darstellung von Fließverhalten, Druckverteilungen oder Auswirkungen geplanter Maßnahmen. So lassen sich Instandhaltungsstrategien oder Betriebsszenarien vorab simulieren.
Auch für Notfallszenarien – etwa bei einer Störung in einem kritischen Leitungsabschnitt – bieten GIS-basierte Systeme eine wertvolle Entscheidungsunterstützung. Sie zeigen Alternativversorgungsrouten, Auswirkungen auf angrenzende Netzteile und unterstützen die Kommunikation mit Behörden und Einsatzkräften.
Die Entscheidung über Investitionen in die Netzinfrastruktur muss nachvollziehbar und wirtschaftlich begründet sein. Regulierungsbehörden wie die Bundesnetzagentur prüfen eingereichte Maßnahmen auf ihre technische Relevanz und Effizienz. In der Bewertungspraxis werden Kriterien wie folgende herangezogen:
Lebenszyklusbasierte Asset-Management-Strategien liefern dafür belastbare Entscheidungsgrundlagen. Sie verbinden technische Fakten mit wirtschaftlicher Perspektive und helfen, Maßnahmen transparent zu begründen gegenüber Gremien, Stakeholdern und der Regulierung.

Lebenszyklusbasierte Asset-Management-Strategien liefern dafür belastbare Entscheidungsgrundlagen. Sie verbinden technische Fakten mit wirtschaftlicher Perspektive und helfen, Maßnahmen transparent zu begründen gegenüber Gremien, Stakeholdern und der Regulierung.
Asset Management bringt komplexe Anforderungen mit sich. Die dafür nötige Datenqualität ist oft noch nicht flächendeckend vorhanden. Insbesondere bei Altleitungen fehlen Informationen zu Verlegetiefe, Material oder Sanierungshistorie. Dies erschwert eine präzise Zustandsbewertung.
Hinzu kommt, dass viele Versorger mit fragmentierten Systemen arbeiten. GIS, Instandhaltungsdokumentation, SCADA-Systeme und ERP-Anwendungen sind oft nicht durchgängig vernetzt. Für eine integrierte Bewertung müssen diese Daten konsolidiert und aufbereitet werden, doch das erfordert Know-how, Zeit und Budget.
Auch die interne Akzeptanz spielt eine Rolle. Asset Management verändert Abläufe, Verantwortlichkeiten und Entscheidungsspielräume. Das erfordert ein gezieltes Change Management, transparente Kommunikation und praxisnahe Schulungsangebote für alle beteiligten Ebenen.
Gasnetze kommen in die Jahre – umso wichtiger ist es, vorausschauend zu handeln. Ein durchdachtes Asset Management unterstützt dabei die technische Sicherheit der Gasversorgung und verbessert gleichzeitig die Planbarkeit und Nachvollziehbarkeit von Entscheidungen. Lebenszyklusansätze schaffen die Grundlage für langfristige Investitionsstrategien, für eine effiziente Instandhaltung und für eine fundierte Kommunikation mit Regulierungsbehörden.